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21.09.2015, 17:38 Uhr | Übersicht | Drucken
Zurück zu den alten Autokennzeichen?
Ein Bärendienst für die Heimat

Dr. Rolf Westheider, Vorsitzender des Kreisheimatvereins, hat den Zeitungen einen Leserbrief geschickt, den ich auf Nachfrage auch hier veröffentlichen darf. Ich teile seine Ansichten zu diesem Thema voll und ganz und ziehe meinen Hut vor jemanden, der dies sprachlich so gut auf den Punkt bringt. Die Überschrift gehörte schon zum Leserbrief, hier folgt sein Text:

Aus der Zeit ihres Überlebenskampfes stammt ein Vorschlag der FDP, der politisch leider mehrheitsfähig geworden ist: Die Wiedereinführung alter Autokennzeichen. Damit, so hieß es, wachse das Heimatbewusstsein. Erneut wird ein solches Anliegen auch dem Kreis Gütersloh zugemutet.

Aus Sicht des Kreisheimatvereins Gütersloh sprechen drei Argumente deutlich dagegen:

1.       Die früheren Kreise Wiedenbrück und Halle/Westf. werden im nächsten Jahr 200 Jahre alt. 1816 sind sie als Verwaltungseinheiten ebenso nach rationalen Erwägungen zustande gekommen wie der Kreis Gütersloh nach der Gebietsreform von 1973. Auf Verwaltungseinheiten aber lässt sich kein Heimatbewusstsein beziehen, denn Heimat ist ein Gefühl, etwas, an das man sein Herz hängt. Heimat ist die vertraute Nähe, das eigene Kirchspiel, das Dorf oder der Ortsteil. In diesen überschaubaren Größen äußert sich Heimat, nicht aber auf der Ebene eines Landkreises.

2.       WD plus HW ist nicht gleich GT, denn in GT ist auch WAF, BI, PB und BE drin. Autofahrer in der heutigen Stadt Harsewinkel, in Schloß Holte, Stukenbrock und Benteler hatten nie WD oder HW am Kennzeichen ihres Autos. Das ist das Besondere am Kreis Gütersloh, dass er Städte und Gemeinden aus rekordverdächtigen fünf unterschiedlichen Territorien in sich vereint: dem preußischen Ravensberger Land mit dem früheren Kreis Halle, dem ehemals osnabrückischen Amt Reckenberg mit dem Altkreis Wiedenbrück, aber auch Gemeinden aus den Bistümern Münster (Kreis Warendorf) und Paderborn, dem ebenfalls ravensbergischen Kreis Bielefeld und dem früheren Kreis Beckum. WD und HW greifen also viel zu kurz.

3.       Wie widersinnig die neue „Wahlfreiheit“ ist, zeigt ein Blick in die Nachbarkreise. In Sassenberg (Kreis Warendorf) beispielsweise wundert man sich über eine vermehrte Anzahl von Autos mit dem Kürzel BE im Kennzeichen. Aber was hat man in Sassenberg mit Beckum zu tun? Das ist die falsche Heimat! Gewiss, es kommt selten vor, aber im früheren Kreis Tecklenburg könnte man auch mit BF für Burgsteinfurt umher fahren und umgekehrt. Das Heimat-Argument wird damit völlig obsolet.

Was also motiviert die neue Unübersichtlichkeit? Wenn, wie es heißt, 70 % der Menschen für die Wiedereinführung der alten Kennzeichen sind, so allein deshalb, weil sich durch die Neuverteilung der alten Kreis-Abkürzungen chice Ziffernkombinationen ergeben, die dem Wunschkennzeichen-Hype zu ungeahnten Möglichkeiten verhelfen. Aber ist es das wert? – Ein Auto anzumelden ist ein Verwaltungsakt, es zu identifizieren hat nichts mit Heimat zu tun. Der Kreis Gütersloh ist gut beraten, die bisherige Beschlusslage zu bestätigen und diesem Unsinn nicht zu folgen.

 

Dr. Rolf Westheider, Vors. Kreisheimatverein Gütersloh

 



 
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