Telefonische Beratung in der Elterngeldstelle

Kurze Laufzeiten für passgenaue Elterngeld-Anträge

12.10.2020
Sachgebietsleiterin Ulrike Zimmeck (rechts) und ihre Mitarbeiterinnen (v.l.) Jana Goral sowie Milena Uekötter unterstützen Eltern dabei, individuell passende Elterngeld-Modelle zu beantragen. Foto: Kreis Gütersloh
Sachgebietsleiterin Ulrike Zimmeck (rechts) und ihre Mitarbeiterinnen (v.l.) Jana Goral sowie Milena Uekötter unterstützen Eltern dabei, individuell passende Elterngeld-Modelle zu beantragen. Foto: Kreis Gütersloh

Die Stühle im Wartebereich der Elterngeldstelle bleiben leer. Vor der Coronapandemie herrschte hier reger Besucherverkehr – dieser Bereich war einer der am stärksten frequentierten in der Abteilung Jugend.

Doch mit der Krise und den damit verbundenen eingeschränkten Öffnungszeiten des Kreishauses für Bürgerinnen und Bürger musste ein neues Konzept her: Was normalerweise im persönlichen Beratungsgespräch geklärt wurde, geht jetzt übers Telefon. Und das mit Erfolg, denn die Bearbeitungszeiten der Anträge bleiben auf einem stabilen Niveau und liegen nach wie vor weit unter dem Landesdurchschnitt.

Der Antrag auf Elterngeld hat es in sich – das wissen auch die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die ersten Fragen sind noch einfach: Name, Adresse, persönliche Daten. Aber dann wird es kompliziert. „Es gibt nicht das eine Standardmodell, sondern verschiedene Varianten, die je nach Lebenssituation individuell angepasst werden müssen“, erklärt Ulrike Zimmeck, Sachgebietsleiterin Beistandschaften, Unterhaltvorschuss, Elterngeldstelle. Sie und ihr Team setzen auf eine intensive Beratung. Zimmeck sieht in dieser Strategie den Grund für die geringe Widerspruchsquote. Diese beträgt für den Kreis Gütersloh im Schnitt 0,75 Prozent für das gesamte erste Halbjahr 2020 und liegt damit etwa um 50 Prozent unter dem Landesdurchschnitt.

„Uns ist es wichtig, dass jeder für sich das optimal passende Modell findet. Dabei helfen wir gerne und gehen mit den Antragsstellern Punkt für Punkt durch – früher persönlich, jetzt eben am Telefon“, versichert Zimmeck. Je nachdem wie viel Unterstützung der Anrufer braucht, kann so ein Gespräch entweder nur fünf Minuten dauern oder bis zu einer Stunde in Anspruch nehmen. „Einige Fragen sind schnell geklärt, aber jeder hat seine persönlichen Besonderheiten, Nöte und Sorgen. Da gehen wir natürlich auch drauf ein und nehmen uns so viel Zeit wie nötig.“ Einen Termin brauchen die jungen Eltern nicht, sondern können ihre Ansprechpartner direkt anrufen. Die Antragsübermittlung läuft dann per Post oder per E-Mail.

Normalerweise arbeiten fünf Beraterinnen und Berater in der Elterngeldstelle. Selbst als während des Coronaausbruchs verstärkt Mitarbeitende in die Abteilung Gesundheit berufen wurden, blieb die Elterngeldstelle weitestgehend vollständig besetzt. „Die Krise hat viele Eltern vor wirtschaftliche Herausforderungen gestellt. In dieser Zeit waren sie besonders auf das Elterngeld angewiesen“, erläutert Zimmeck. Umso wichtiger war es, dass die Anträge schnell bearbeitet wurden und die Laufzeiten so auf niedrigem Niveau blieben. Sie liegen bei durchschnittlich 14 Kalendertagen und sind damit mehr als doppelt so schnell wie der Landesdurchschnitt. Der beträgt 34 Kalendertage. „Ich finde es super, wie meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Herausforderungen reagieren und für die Bürgerinnen und Bürger da sind“, betont Landrat Sven-Georg Adenauer. Übrigens: Über den schnellen Service der Elterngeldstelle des Kreises wurde bereits vor einigen Jahren im Fernsehen berichtet. Ein Paar hatte an einem Freitagnachmittag seinen Antrag auf Elterngeld gestellt. Als die Eheleute die bearbeiteten Unterlagen am darauffolgenden Montag in der Post fanden, verständigten sie den WDR und bedankten sich öffentlich vor der Kamera.

Während der Coronapandemie wurde der Elterngeldantrag auf die besondere Situation angepasst. Zimmeck: „Niemand soll wegen der Coronapandemie finanzielle Einbußen im Elterngeld haben.“ Normalerweise errechnet sich der Anspruch aus dem Gehalt der vergangenen zwölf Monate. Aktuell wird dieser Zeitraum flexibel angepasst, sodass coronabedingte Einkommenseinbußen aus der Berechnungsgrundlage herausfallen. Auch Eltern, die eigentlich in Elternzeit gehen wollten, aber in einem systemrelevanten Beruf arbeiten, können das Elterngeld entsprechend verschieben. Besonders im medizinischen Bereich sei derzeit hohe Flexibilität gefordert.